Katzenglück


Katzenglück im „Kinderzimmer“

Fast 100 Katzenbabys warten beim Amigo e.V. auf ein neues Zuhause

PICT0356So oder so ähnlich könnte man die Situation auf den Pflegestellen des Amigo e.V. beschreiben! Seit Mitte Mai überrollt die Katzenhilfe Nienburg eine Welle hilfesuchender Bürger, die Katzenmütter mit ihren Würfen finden. Auch herrenlose Einzeltiere im Alter von wenigen Wochen haben es zuweilen nicht leicht, ohne Mutter irgendwo eine artgerechte Bleibe zu finden!

Mammutprojekt in Rodewald

Mitte Mai traten besorgte Anwohner in Rodewald an den Verein heran, um Unterstützung bei der Kastration von 10 bis 15 Katzen zu bekommen. „Das machen wir ja mal eben so mit Links – haben wir gedacht“! Schon in wenigen Tagen wurde klar, dass das Projekt ganz andere Dimensionen annehmen würde, da bereits einige Katzen tragend waren. Inzwischen sind es fast 50 (!) Tiere, um deren Versorgung sich die Nachbarschaft aufopfernd kümmert. Das ist selbst für die Katzenhilfe ein Mammutprojekt unbekannten Ausmaßes. Einige der Katzenbabys sind bereits vermittelt, andere sind noch draußen bei ihren Müttern, die sehr kranken Welpen beim Amigo in Pflege. Und fast täglich erreichen die Katzenhilfe neue Anrufe von Tierfreunden aus allen Teilen des Landkreises, die bei der Aufzucht, Pflege oder Vermittlung von Katzenwürfen gerne beraten oder unterstützt werden möchten. „Tun wir gerne, aber die Anzahl der Katzenwelpen inzwischen auf fast 100 angestiegen, und das bringt uns selbst durch die optimistischste „Vereins-Brille“ betrachtet an unsere äußersten Grenzen!

Katzenbabyflut verbraucht finanziellen Reserven

allemitskinnyNach dem eher ruhigen Jahresbeginn war zu erwarten, dass sich dies in den Sommermonaten ändern würde. Dass aber eine solche Katzenbabyflut über den Amigo e.V. hereinbrechen würde, darauf war niemand vorbereitet! In kürzester Zeit musste sich der Verein auf die neue Situation in allen Bereichen einstellen: „Mal eben“ Vermittlungsportale umstrukturieren bzw. schaffen, Pflegestellen einrichten, Personal und Finanzen aufstocken, Fallen, Ausstattung, Futter, Streu etc. zukaufen. Allein die medizinische Versorgung der überwiegend kranken Katzenkinder fressen die finanziellen Reserven des Vereins inzwischen allmählich auf.

Ungeahnte Hilfsbereitschaft

Calie4Schnell wurde klar: „alleine bzw. mit den vorhandenen Ressourcen würden wir das nicht schaffen! Auch wenn es für alle immer noch eine harte Zeit ist, ohne die enorme Hilfsbereitschaft, die uns entgegengebracht wird, hätten wir diesem Ansturm nicht adäquat begegnen können“. Das ist auch erheblicher Motivationsschub, der zeigt, dass die Arbeit der Katzenhilfe gebraucht und geschätzt wird. Es haben sich zusätzliche Pflegestellen, ehrenamtliche Helfer, IT-Profis, Grafikdesigner, versierte Hobbyfotografen, private Futterspender etc. beim Verein gemeldet, die uns alle tatkräftig unterstützen. Auch beim Einfangen der Tiere, bei den Tierarztfahrten und bei der täglichen Betreuung der Pflegekatzen stehen Tierfreunde sieben Tage die Woche, wenn es sein muss, auch bis tief in die Nacht, bereit. Mit Ideen, beruflichen Kompetenzen oder Computererfahrung bereichern zahlreiche Mitbürger unsere Öffentlichkeitsarbeit!

Derzeit 30 Katzenkinder in Pflegestellen

P1030441Zehn kleine Entdecker erobern gerade ihre kleine Katzenwelt im Nienburger Katzenzimmer und warten auf neue Besitzer, auf den übrigen Stellen weitere 20. Durch den wechselhaften Frühsommer haben die Kleinen häufig alle klassischen „Kinderkrankheiten“: Schnupfen, Pilz, Darmparasiten etc. Die Behandlung ist langwierig und kostenintensiv, insbesondere wenn noch stationäre Aufenthalte dazukommen. Das stellt dazu hohe hygienische Anforderungen und erfordert komplette Quarantäne-Bedingungen, die nur wenige unserer Pflegestellen bieten können.

Viel Aufregung im Katzenzimmer

bennyputztfussIn Nienburg waren zudem die ersten Wochen die beiden scheuen Katzenmütter Honey und Lana nach ihrer Kastration mit ins Katzenzimmer eingezogen. Begeisterung sieht anders aus, aber sie haben sich rührend um die Kleinen gekümmert, bis Honey an einer schweren Gesäuge-Entzündung erkrankte und nach ihrer Behandlung wieder in die Freiheit entlassen wurde. Eine Woche später hat sich Lana durch zwei Sicherheitsnetze vorübergehenden Freigang „organisiert“. So schön fand sie den Garten wohl doch nicht, denn sie wollte nach wenigen Stunden zurück zu ihren Babys. Raus ist einfach, aber wie kommt man wieder rein? Es hat mit vereinten Kräften bis tief in die Nacht gedauert, bis Lana durch die aufgeschnittenen Netze zurück bei ihren Kindern war, die zuvor alle eingefangen und in Boxen gestellt werden mussten. Kurz vorher waren noch die drei äußerst scheuen Welpen Elsa, Sam und Calie eingezogen, die nur mit einer Falle aus den Zimmerecken geholt werden konnten. Wenig später erkrankte Kater Sam an einer Trommelfellentzündung, von der er wohl eine leichte Kopfschiefhaltung bzw. Schwerhörigkeit zurückbehalten wird. Dann ist Elsa an einem schweren Katzenschnupfen erkrankt und musste in die Tierklinik. Wenige Tage später ereilte die Geschwister Elli und Calie das gleiche Schicksal.

PICT0366Am Tag vor Lanas Ausbruch haben sich in einer anderen Pflegestellt drei Katzenkinder über Nacht erfolgreich mit der Verriegelung eines Veluxfensters beschäftigt und sind übers Dach in die geliebte Freiheit. Nur gut, dass es auch dort draußen nicht so toll war, wie gedacht, denn die drei „Panzerknacker“ konnten glücklicherweise in wenigen Tagen wieder eingefangen werden. Zwei von Ihnen mussten inzwischen nach einer ungern veranlassten Frühkastration wieder zu ihrer kastrierten Mutter zurück in die endgültige Freiheit entlassen werden, da sie an Menschen nicht mehr zu gewöhnen sind. Auch das kommt vor!

Die Einsatzfreude und Hilfsbereitschaft der Mitbürger scheint stellenweise keine Grenzen zu finden. Das ist eine unschätzbare Hilfe für den Amigo e.V., ohne die der Verein seine Grenzen längst erreicht hätte. Dennoch suchen wir weiterhin dringend ehrenamtliche Helfer, vor allem Pflegestellen, Resthöfe etc., die Katzen aufnehmen würden, Ausstattung für die Katzenzimmer sowie Juniorfutter und kompostierbare Katzenstreu. Vor allem ist der Verein dringendst auf Spenden angewiesen, da durch die vielen kranken Tiere die finanziellen Reserven so gut wie erschöpft sind.